Begegnung im Mitgefühl – Ein Akt der Liebe

Bewegt Dich innerlich gerade viel? Manches scheint Dich zu zerreißen? Und Du möchtest Dich einem lieben Freund oder Freundin öffnen und von dem erzählen möchtest, was Dich verletzt, was intensive oder auch leidvolle Gefühle ausgelöst hat? Oder ein lieber Mensch möchte sich Dir anvertrauen, was ihn/sie bedrückt?
Ich möchte einige meiner Erfahrungen und Beobachtungen mit Dir teilen, die ganz viel Wertvolles beinhalten, damit Mitgefühl seine wundersame Wirkung entfalten darf.

Prägende Sätze als Verhinderer und Vertrauen als Herzensöffner
Da sind die prägenden Sätze, die wir aus der Kindheit gehört haben wie: „Nimm Dich selbst nicht so wichtig.“, „Indianer kennt keinen Schmerz.“ „Sei tapfer.“ oder „Stell Dich nicht so an.“ Diese Sätze wirken als Blockade und verhindern im Alltag nach Hilfe zu fragen, Hilfe anzunehmen und geben.
Daher ist es für viele von uns ein erster Schritt den eigenen Schmerz zuzulassen – vor uns selbst und auch vor der Person, der wir uns anvertrauen. Es braucht Vertrauen und die Bereitschaft sich einzulassen. Wenn wir uns anvertrauen, uns öffnen, unsere Verletzlich zeigen sind wir natürlich noch sensitiver in der Wahrnehmung wie unser Gegenüber uns begegnet und daher sehr empfänglich für die „richtigen Worte“.

Selbstmitgefühl im Dialog hilft gegen Reaktionsmuster
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die ihr Selbstmitgefühl praktizieren, auf sehr heilsame Weise zuhören, so einfühlend sein können, dass sie Tränen in den Augen haben, weil sie den Schmerz mitfühlen ohne mitzuleiden. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen in der Begegnung mit dem, was ihnen anvertraut wird, aus ihren Mustern heraus reagieren und den Wunsch verspüren, den anderen schnell wieder zum Lachen bringen zu wollen, mit anderen Mitteln der Ablenkung aus dem Schmerz heraus holen möchten, von sich erzählen oder nicht auf das Anvertraute eingehen und nichts dazu sagen, weil sie es vielleicht gerade nicht können. Und dann gibt es da ja noch die neuen digitalen Kommunikationswege – ob wir diese mögen oder nicht, sie sind da und bringen auch dementsprechend neue Handlungsoptionen mit sich, die einen mitfühlenden und einfühlsamen Umgang brauchen.

5 Tipps – Was braucht es um mitfühlend zu sein?

Ehrliches Interesse an der Person: Wie geht es Dir? ist einerseits eine gesellschaftliche Floskel, jedoch gepaart mit ehrlichem Interesse an der Person, öffnet diese Frage auf der emotionalen Ebene Herzenstüren. Schau die Person an, wenn Du sie fragst und sei ganz bei ihr, lass sie durch Deine Körperhaltung wissen, dass Du sie siehst und wahrnimmst.

Aktives zuhören: Aktives Zuhören ist die hohe Kunst. Wenn Du selbst schon die Erfahrung machen durftest, wenn Dir Raum gegeben wurde, Deine Gefühle in Worte zu kleiden, das Gefühle kommen und gehen dürfen, weißt Du wie heilsam aktives Zuhören ist. Die hohe Kunst liegt darin, ganz bei Deinem Gegenüber zu sein. In dieser Phase passiert es sehr schnell, dass wir das Gehörte mit unseren Erfahrungen abgleichen und in Ratschläge verfallen. Das Wunderbare am aktiven Zuhören ist, dass Du als Zuhörer Dich von jeglichem Druck befreien darfst eine Lösung parat haben zu müssen. Es geht nicht um die Lösung, sondern dass Du mit Deiner Aufmerksamkeit, mit Deiner Zeit und mit Deinem Zuhören ein Geschenk für Dein Gegenüber bist: Ein Akt der Liebe. Eine sehr heilsame Erfahrung ausreden zu können, die eigenen Gedanken in Stille bewegen zu dürfen, ohne das ein Impuls von Außen kommt, in der Gewissheit, dass Dein Gegenüber bei Dir ist und Dir aufmerksam zuhören, auch in dem was Du nicht sagst.

Mitgefühl ausdrücken: Es ist völlig ok, wenn Du nicht weißt, was das Richtige zu sagen ist, doch zu kannst Dein Gegenüber einfach fragen: Was brauchst Du jetzt? Wie kann ich für Dich da sein? Wenn Deine Worte aus Deinem Herzen kommen ist es, als wenn Dein Gegenüber die rote Schleife vom Geschenk entfernt: Sich angenommen und verstanden fühlen, spendet so viel Trost und Kraft.

Mitgefühl versorgt: Der wunderbarste Nebeneffekt Mitgefühl zu schenken ist, dass Dein Gehirn nicht unterscheidet, ob Du Dir selbst Mitgefühl zu sprichst und gut für Dich sorgst oder ob Du im aktiven Zuhören Mitgefühl schenkst – im gleichen Maße wird das Hormon Oxytoxin ausgeschüttet, was beruhigend, entspannend und wohltuend wirkt sowohl auf Dich selbst als auch auf Dein Gegenüber. Auch wenn Du keine Lösungen, keinen Ausweg, keinen Rat parat hast – fühl Dich in die Situation Deines Gegenübers ein und sei mit Deiner ganzen Aufmerksamkeit bei ihm/ihr.

Gefühle durchlaufen Phasen: Je nachdem in welcher Phase wir uns selbst oder unser Gegenüber befinden, geht es erst einmal darum die Gefühle als solche wahrzunehmen und zuzulassen. Es kann als sehr befreiend erlebt werden, wenn einfach nur SEIN DARF was ist ohne an die Lösung zu denken. Der entscheidende Unterschied ist, zu beobachten, wann möchten wir selbst oder unser Gegenüber diese Phase verlassen oder uns im Leid sulen und festhalten: Dann ist verbale Bewegung auch wieder förderlich. Sätze wie „Ich lasse Dir diese Deine Gefühle oder ich lasse Dich in Deinen Gefühlen und nehme Dir nichts davon weg“ können für liebevolle Bewegung in die nächste Phase sorgen.

Dankbarkeit und Wertschätzung: Sich zu öffnen und sich anzuvertrauen ist ein großer Schritt, lass Dein Gegenüber wissen, dass Du es zu schätzen weißt, dass er/sie Dir vertraut und ihre Gefühle mit Dir geteilt hat und dass Du dankbar bist sein/ihr Freund/In zu sein. Es kann schon mal sein, dass Dein Gegenüber Dir sein Erlebtes doppelt und fünffach erzählt, vielleicht weil der innere Druck so groß ist. Vielleicht auch, weil er/sie den Schritt in die Lösung nicht machen möchte. Nimm liebevoll das Wiederholte auf: „Es ist ok, wenn Du es jetzt noch nicht lösen kannst oder Dich auf die Lösung zu bewegen willst.“ – kann ein hilfreicher Spiegel sein, selbst zu reflektieren und wahrzunehmen wo man steht.

Tipp für Hochsensible Personen:
Wenn Du sensibel oder hochsensibel bist, spürst und fühlst Du mit, wenn jemand leidet oder Dir seinen/ihren Schmerz mitteilt. Und vielleicht hast Du auch den Wunsch mit Deinen Gefühlen einfühlsam abgeholt zu werden und getröstet zu werden!?
Es ist wichtig zu erkennen, dass jeder einen anderen Umgang mit Gefühlen und deren Verarbeitung hat. Wichtig ist, dass Du Dich als Hochsenble Person nicht zurück ziehst, weil Du glaubst, dass Dich keiner versteht, Du aber im Umkehrschluss für alle da bist. Fang genau da an und lasse Dir selbst Deine Hilfsbereitschaft, Dein Verständnis, Deinen Trost im gleichen Maße zu Gute kommen. Grenz Dich ab, wenn Du das Gefühl hast, dass Du Deine Aufmerksamkeit gerade selbst mehr brauchst. Schau, wer in Deinem Freundeskreis wirklich für Dich da ist und frage diese Person um Hilfe. Es kann ja sein, dass es auf Dein Umfeld wirkt, dass Du alles selbst regelst und daher keiner auf die Idee kommt, dass Du Hilfe brauchen könntest. Lass Deine/n FreundIn wissen, welche Hilfe Du jetzt brauchst. Ein heilsames kleine efftives Tool aus der Achtsamkeitspraxis kann ich Dir als Unterstützung für die Phase Deiner herausfordernden Zeiten noch mitgeben: Nutze ein schönes Glas und sammle schöne Momente. Schreibe täglich morgens oder abends die Momente auf, die Dich glücklich gemacht haben und lege sie in Dein Glas. Wenn Du Trost und positive Energie brauchst, nimm Dir Zeit für Dich und greife bei einem leckeren Tee oder Kaffee in Dein Glas und betrachte Deine gesammelten Momente. Beobachte einfach nur was geschieht.

Ich wünsche Dir viele Momente des Anvertrauens und des Mitgefühls.

Wann immer Du eine kraftvolle Auszeit brauchst, nutze gerne mein FlowCoaching. Wir schauen auf Deine Werte und wie Du in Deinem Alltag Werte- und bedürfnisorientiert handeln kannst und stärken Deine Selbstfürsorge.

Ich freu mich auf Dich.

Sei Du selbst – Lebe Deinen Flow!

lichst

Sandra Baggeler